So oft Liebesgedichte sie auch als ewig beschwören, meist nimmt die Liebe den Lauf alles Irdischen. Rückblickend wird sie gern als Täuschung abgetan, so auch von Platens Angebeteter in Du sprichst..., allein klammert er sich daran, dass seine Liebe real gewesen ist. Für Uhland ist dies keine Frage, denn eine Erstorbene Liebe trifft ihn als ein Tod des liebelosen Lebens. Ringelnatz nimmt es anscheinend weniger schwer, sucht nach dem Aus Ablenkung. Nach vollzogenem Abschied gelangt Stifter am Ende zu der bedeutsamen Erkenntnis, dass zumindest das, was zwei Herzen einander gaben, unvergänglich bleibt.
August von Platen (1796-1835)
Du sprichst, dass ich mich täuschte...
Du sprichst, dass ich mich täuschte,
Beschwörst es hoch und hehr,
Ich weiß ja doch, du liebtest,
Allein, du liebst nicht mehr!
Dein schönes Auge brannte,
Die Küsse brannten sehr,
Du liebtest mich, bekenn es,
Allein, du liebst nicht mehr!
Ich zähle nicht auf neue,
Getreue Wiederkehr:
Gesteh nur, dass du liebtest,
Und liebe mich nicht mehr!
Ludwig Uhland (1787-1862)
Erstorbene Liebe
Wir waren neugeboren, himmlisch helle
War uns der Liebe Morgen aufgegangen.
Wie glühten, Laura, Lippen dir und Wangen!
Dein Auge brannt, es schlug des Busens Welle.
Wie wallt' in mir des neuen Lebens Quelle!
Wie hohe Kräfte rastlos mich durchdrangen!
Sie ließen nicht des Schlafes mich verlangen,
Lebendig kurzer Traum vertrat die Stelle.
Ja! Lieb ist höher Leben im gemeinen;
Das waren ihre regen Lebenszeichen:
Nun such ich sie an dir, in mir vergebens.
Drum muss ich, Laura! dich und mich beweinen:
Wir beide sind erloschner Liebe Leichen,
Uns traf der Tod des liebelosen Lebens.
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Joachim Ringelnatz (1883-1934)
Aus
Nun geh ich stumm an dem vorbei,
Wo wir einst glücklich waren,
Und träume vor mich hin: es sei
Alles wie vor zwei Jahren.
Und du bist schön, und du bist gut,
Und hast so hohe Beine.
Mir wird so loreley zumut,
Und ich bin doch nicht Heine.
Ich klappe meine Träume zu
Und suche mir eine Freude.
Auf dass ich nicht so falsch wie du
Mein Stückchen Herz vergeude.
Adalbert Stifter (1805-1868)
Abschied
Nun sind sie vorüber, jene Stunden,
Die der Himmel unsrer Liebe gab,
Schöne Kränze haben sie gebunden,
Manche Wonne floss mit ihnen ab.
Was der Augenblick geboren,
Schlang der Augenblick hinab,
Aber ewig bleibt es unverloren,
Was das Herz dem Herzen gab.