Kristallklare Worte finden manche DIchter, wo es eigentlich die Sprache verschlägt. Wenn es eine Trennung geben muss, bringt eine Stophe von Tieck die Empfindung dabei auf den Punkt. Ein Kurzgedicht von Lessing benennt die Größe des Verlustes, Daumer vergleicht Höllenpein und Trennungspein. Eichrodt geht alles Leben zu Grabe, während Lenau den Scheideblick still im Meer versenkt.
Ludwig Tieck (1773-1853)
Muss es eine Trennung geben...
Muss es eine Trennung geben,
Die das treue Herz zerbricht?
Nein, dies nenne ich nicht leben,
Sterben ist so bitter nicht.
Gotthold Ephraim Lessing (1729-1781)
Der Verlust
Alles ging für mich verloren,
Als ich Sylvien verlor.
Du nur gingst nicht mit verloren,
Liebe, da ich sie verlor!
Georg Friedrich Daumer (1800-1875)
Die Trennung vom Geliebten...
Die Trennung vom Geliebten soll von Höllenpein
Die Probe sein?
Dass Höllenpein die Probe sei von Trennungspein,
Hat größern Schein.
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Ludwig Eichrodt (1827-1892)
Alles Leben geht zu Grabe ...
Alles Leben geht zu Grabe ,
Und die Seel auch ganz zu Grund,
Wenn ich dich nicht wieder habe,
Werd ich nimmer mehr gesund.
Nikolaus Lenau (1802-1850)
Scheideblick
Als ein unergründlich Wonnemeer
Strahlte mir dein tiefer Seelenblick;
Scheiden musst ich ohne Wiederkehr,
Und ich habe scheidend all mein Glück
Still versenkt in dieses tiefe Meer.