Am Anfang muss selbstverständlich der berühmte und definitve Reim stehen, den sich Grillparzer auf die Eifersucht machte. Liliencron ist sie eine gelbe Blume, die er mit wilder Rage blühen lässt, Heym dagegen zeichnet ein distanziert-allegorisches Bild von Eifersucht. Gotter lässt sich von ihr zwischen der Liebe Hölle und Himmel zerreißen. Das Optimum gewinnt ihr schließlich Wernike ab, indem er, sich an der Schönheit der eifersüchtigen Mira, ergötzend doch wieder ein Liebesgedicht abliefert.
Franz Grillparzer (1791-1872)
Eifersucht ist eine Leidenschaft...
Eifersucht ist eine Leidenschaft,
Die mit Eifer sucht, was Leiden schafft.
Detlev von Liliencron (1844-1909)
Die gelbe Blume Eifersucht
Was war das, drückt er ihr leise die Hand,
Als gestern Abend er neben ihr stand,
Der Hund, der Hund!
Heut sah sie den ganzen Tag hinaus:
Wann wird er kommen.
Und als er um die Ecke bog,
Das Rot ihr in die Schläfen flog.
Das soll dir nicht frommen,
Du Hund, du Hund!
Heut Abend, ich lauschte, in heimlicher Stund'
Er küsste sie zärtlich auf Augen und Mund,
Der Hund, der Hund!
Nun lauer' und schleich ich im Säulengang
Auf Katzenpfoten.
Meinen Dolch betast' ich wohl hundertmal,
In die Brust ihn dir brech' ich für alle die Qual,
Als Liebesboten,
Du Hund, du Hund!
Georg Heym (1887-1912)
Eifersucht
Die Straße wird zu einem breiten Strich.
Die Häuser werden weiß wie eine Wand.
Die Sonne wird ein Mond. Und unbekannt,
Gleichgültig, fremd, ein jedes Angesicht.
Sie sehen aus wie Blätter von Papier,
Weiß, unbeschrieben. Aber hinten winkt
Ein schlankes blaues Kleid, das fern versinkt
Und wieder auftaucht, und sich fern verliert.
Auf seinem Nacken sitzt die Eifersucht.
Ein altes Weib, gestiefelt. Einen Dorn
Bohrt in das Hirn sie ihm, und haut den Sporn
In ihres Reittiers weicher Flanken Bucht.
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Friedrich Wilhelm Gotter (1746-1797)
Die Eifersucht
Eifersucht, der Liebe Hölle!
Elend, elend, wer dich fühlt,
Wenn dein Dolch, getränkt mit Gifte
Ratlos in dem Busen wühlt;
Wenn der Seele Tiefen zittern,
Wie die Fluten in Gewittern;
Und kein Wort, kein Wort des Trostes
Deiner Marter Gluten kühlt;
Eifersucht, der Liebe Hölle!
Elend, elend, wer dich fühlt!
Eifersucht, der Liebe Himmel!
Selig, selig, wer dich fühlt!
Wenn ein Wort, ein Wort des Trostes
Deiner Marter Gluten kühlt;
Wenn der Reue Thräne fließet;
Wenn Versöhnung uns umschließet;
Und der Nektar ihres Kusses
Alle Spuren des Verdrusses
Aus der Seele Tiefen spült;
Eifersucht, der Liebe Himmel!
Selig, selig, wer dich fühlt!
Christian Wernicke (1661-1725)
Die eifersüchtige Mira
Ob gleich gerechte Rach' auf Miras Wangen glühet,
Und Zorn und Eifersucht ihr aus den Augen siehet;
Ist Mira gegen mich gleich noch so sehr erhitzt:
So seh' ich doch, dass sie dem Himmel immer gleichet,
Der schön und lieblich ist, wenn Wolk' und Nebel weichet;
Erschrecklich und doch schön, indem er stürmt und blitzt.