In Liebeskummer-Gedichte ergossen haben sich die Poeten und Liebenden aller Zeiten. Die Geliebten doch noch, wieder oder zumindest Linderung zu gewinnen hat sie dazu getrieben. Zudem liegt es näher, sich im Zustand der Trennung oder Verstoßung lyrisch auszuheulen, als bei erfüllter Liebe Verse zu kreieren, wo man Besseres zu tun hat, als die Schreibfeder zu schwingen.
Drei hauptsächliche Gründe lassen sich finden, Liebesgedichte mit Leid einzuschwärzen: Vom geliebten Wesen getrennt zu sein oder einseitig zu lieben sind die beiden ersten. Der dritte liegt im fragwürdigen Affekt der Eifersucht, sei er nun Ursache oder Wirkung der Liebeskümmernisse. Wie sich all dies verteilt und mischt, wie Sehnsucht, Leidenschaft und Verzweiflung wüten oder verlodern, sollen uns die Dichter von der Antike bis ins 20. Jahrhundert nachfühlen lassen. Und da manchem Leser in Liebesleid nicht nach vielen Worten zu Mute ist, mögen ihm Liebeskummersprüche und Trennungssprüche als Trostpflästerchen dienen.